Erinnerungen an den 70. Todestag von P. Theodor Hartz

26. Februar 2013

Erinnerungen an den 70. Todestag von P. Theodor Hartz

von P. Johannes Wielgoß SDB Teil II

Der Bauunternehmer steht für viele Förderer, die die Arbeit der Salesianer in Borbeck in vielfacher Hinsicht unterstützten, auch wenn durch seinen Konkurs während der Weltwirtschaftskrise mehrere kirchliche Einrichtungen in große finanzielle Probleme gerieten.

clip_image002Die Gruppe der jungen Musiker steht für die unzähligen Kinder und Jugendlichen, die durch Musik, Sport, Spiel, Theater und außerschulische Bildung im Jugendheim gefördert wurden. Diese Hinweise deuten an, dass das St.-Johannesstift sich unter P. Hartz zu einem zentralen Ort katholischer Jugendarbeit in Essen entwickelt hatte.

Bald nach der „Machtübernahme“ durch die Nationalsozialisten zeichneten sich schwere Zeiten für das Jugendheim ab. P. Hartz wurde zunehmend zur zentralen Person bei den nationalsozialistischen Angriffen auf die Jugendarbeit der Salesianer. Schon am Frühjahr 1933 musste er Übergriffen der Hitler-Jugend auf das Jugendheim entgegentreten. Er protestierte bei der lokalen Parteileitung gegen deren anmaßendes und gewalttätiges Auftreten und forderte eine ungehinderte Betätigung für die katholische Jugend ein. Erfolglos versuchte die Gestapo, ihm Sittlichkeitsdelikte und Devisenvergehen anzuhängen. Sein Telefon und seine Post wurden überwacht. Als er sich in seiner oldenburgischen Heimat um Kartoffelvorräte für das St.-Johannesstift kümmerte, wurde er denunziert. Er habe gegen das Sammlungsgesetz verstoßen und das Winterhilfswerk geschädigt. Er konnte der Gestapo aber nachweisen, dass er die Kartoffeln gekauft habe.

Im Rahmen einer Weihnachtsfeier verteilte das Knabenheim an bedürftige Kinder Kleidungsstücke und Schuhe. Der Verwandte eines Borbecker Salesianers, ein Schuhfabrikant in Kevelaer, hatte aus Lederresten Kinderschuhe anfertigen lassen. Durch die Postkontrolle fiel der Gestapo diese Aktion auf, die gegen eine im Krieg eingeführte Verbrauchsregelungs-Strafordnung verstieß. Da die Salesianer keinen Bezugsschein vorweisen konnten, wurden zwei unmittelbar beteiligte Patres und der Schuhfabrikant bestraft. Die Gestapo trug in die Personalakte von P. Hartz ein, dass er als Leiter des Hauses sich nicht den Gesetzen des Staates unterstellen will.

Am 5. August 1941 vollzog eine Gruppe von 12 Gestapo-Beamten den Befehl des Reichssicherheitshauptamtes in Berlin, das St.-Johannesstift zu schließen und mit dem Vermögen zu beschlagnahmen. Binnen zwei Stunden mussten die Salesianer das Haus verlassen. Sie erhielten ein Aufenthaltsgebot für das Salesianerhaus Helenenberg bei Trier. Theodor Hartz protestierte heftig gegen diese Willkürmaßnahme des Staates.

Als Ausdruck des Protestes kann gedeutet werden, dass die aus Essen vertriebene Gemeinschaft sich am Ort des erzwungenen Aufenthaltes als Essener Gemeinschaft verstand und Theodor Hartz weiterhin ihr Leiter war.

Zu seinen Aufgaben gehörte auch die Betreuung der Wohltäter. Die ahnungslose Rückfrage einer Wohltäterin in Frankfurt wurde Theodor Hartz zum Verhängnis. Sie erkundigte sich nach dem Grund für das Ausbleiben des gewohnten Dankschreibens für ihre Spende. Er musste ihr die Schließung und Beschlagnahme des St.-Johannesstiftes durch die Gestapo mitteilen. Dieser Brief geriet in die Postkontrolle der Gestapo. Nun wurde P. Hartz verhaftet und am 15. April in das Landgerichtsgefängnis Trier eingeliefert.

Am 5. Juni 1942 ordnete das Reichssicherheitshauptamt für ihn Schutzhaft und Überführung in das Konzentrationslager Dachau an, weil er „staatsabträgliche“ und „volksverdummende“ Rundschreiben verbreitet habe und erkennen ließ, „dass er nicht gewillt ist, behördliche Anordnungen zu befolgen.“

Die Verlegung nach Dachau des durch die Haftbedingungen in Trier schon völlig erschöpften P. Hartz erfolgte mit einem Bahntransport vom 24. bis 26. Juni 1942. Sein Leidensweg endete bald mit seinem Tod am 23. August 1942 in Dachau. Die Leiche wurde – wie üblich – verbrannt.

clip_image004Ein unwürdiges Nachspiel entwickelte sich um die Umstände zur Beisetzung der Urne. Der Pfarrer seines Heimatortes Lutten verweigerte die Bestattung auf dem Friedhof der Gemeinde. Seine Gründe sind nicht bekannt.

Frau Berta Esser aus dem Friseursalon Haferkamp konnte vermitteln und eine Bestattung auf dem Friedhof an der Hülsmannstraße erreichen. Nachdem drei Geistliche die Beisetzung abgelehnt hatten, nahm Pfarrer Johannes Brokamp sie Ende Oktober 1942 vor.

An diesen unerschrockenen Gegner des Nationalsozialismus erinnert ein Stück der alten Borbecker Straße, an dem das St.-Johannesstift steht, es wurde schon 1947 nach seinem Namen in „Hartzstraße“ umbenannt.

In der Erinnerungskultur der Kirche hatten dagegen die Opfer des NS-Terrors noch nicht den ihnen gebührenden Platz erhalten. Im Jahre 1971 hat die Pfarrgemeinde St. Johannes Bosco auf ihrem Grundstück in der inzwischen „Theodor-Hartz-Straße“ genannten Straße einen Gedenkstein aufgestellt. Sein Grab ist 1987 in das Verzeichnis der Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus in der Stadt Essen aufgenommen worden. Am Eingang des Friedhofs in der Hülsmannstraße befindet sich eine Gedenktafel.

(P. Johannes Wielgoß hat eine ausführlich Lebensbeschreibung in der Buchreihe „Christen an der Ruhr“, Band 4 über P. Theodor Hartz veröffentlicht.)


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